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Musiker /  Tradition der Zigeunerorchester

Tradition, Stil und Spielpraxis des ungarischen Zigeunerorchesters
In Ungarn hat Zigeunermusik eine lange Tradition - beliebt ist sie überall auf der Welt, erstaunlicherweise bei älteren wie bei jungen Menschen.
So wie eine bedeutende Klezmer-Musikerin einmal gesagt hat, jede Musik sei Klezmermusik, "wenn sie nur aus dem entsprechenden Empfinden heraus gespielt wird", könnte man sagen: Zwar nicht ganz alles, aber vieles kann in der Hand des geschickten Zigeunermusikers zur Zigeunermusik werden. Er hat seine Art, musikalisch zu erzählen und seine stilistischen Tricks, mittels Umspielungen und entsprechender Artikulation einem Musikstück irgendeines Genres Raffinesse zu verleihen.
Es ist eigentlich das ungarische volkstümliche Kunstlied, das dem Zigeunerorchester die Fülle von Melodien zu den typischen Formen des Hallgato und des Csárdás* liefert. Jedoch finden sich auch zahlreiche rumänische Stücke (vorzüglich jene virtuosen Charakters) im Repertoire der Zigeunerkapellen. Auch zu erwähnen ist eine ausgeprägte Vorliebe für russische Volks- und Zigeunermelodien. Der ungarische Zigeunermusiker hat ein aufmerksames Ohr für alles, was musikalisch eine gewisse Attraktivität besitzt, sei es nun aus dem Jazz, dem Musical, der Operette, der Klassik oder der Unterhaltungsmusik. Bei dem ganzen musikalischen "Generalinteresse" ist des Zigeunermusikers Lust zur Verfeinerung, d.h. zur melodischen Variation und zur harmonischen Anreicherung ein einzigartiges Phänomen in der Musikwelt.

* Hallgato: langsames rhythmisch freies Instrumentallied im Parlando-Stil; Csárdás: der typische ungarische Tanz mit seiner charakteristischen Begleitung von in Zweiergruppen gegliederten betonten Viertelnoten, dem so genannten Düvö-Rhythmus.