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Zigeunermusiker aus Budapest
In Budapest leben auch heute noch zahlreiche Zigeunermusiker, nicht etwa als Fahrende herumziehend,
sondern als ansässige Bürger. Budapest wurde im Laufe von ungefähr hundertfünfzig
Jahren zur Hochburg der ungarischen Zigeunermusik. Die Zigeunermusiker in Ungarn stammen aus Familien,
in denen der Musikerberuf schon seit Generationen ausgeübt wird. Dass der Nachwuchs aus diesen
Musikerfamilien immer wieder den Beruf des Vaters wählte, war fast selbstverständlich in
einer Zeit, in der Ungarns Zigeunerorchester noch florierten - als praktisch in jedem Restaurant, je
nach Ansehen und Grösse des Lokals allabendlich, nicht selten auch zur Mittagszeit, eine kleinere
oder eine vollbesetzte Zigeunerkapelle spielte und es für die Musiker zahlreiche Arbeitsplätze
gab.
Die jungen Musikanten holten sich bereits in frühem Alter in der Kapelle ihrer Väter erste
Spielerfahrungen und besuchten bei überdurchschnittlicher Begabung die Raikó-Schule, eine
Art Zigeunerkonservatorium, wo sie zu professionellen Musikern ausgebildet wurden. Diese Schule
existiert heute noch und die Ausbildung hat sich in Form und Lehrmethoden seit ihren Anfängen
wohl nicht wesentlich verändert.
Die Privatisierung von Betrieben im Gastgewerbe nach der Auflösung des kommunistischen Regimes,
der moderne Zeitgeist, auch und vor allem aber die schlechte wirtschaftliche Lage in Ungarn, die dann
auch zur Schliessung wichtiger traditionsreicher Lokale führte, brachten es mit sich, dass es in
Budapest mittlerweile nur noch wenige Restaurants und Hotels gibt, die regelmässig
Abendunterhaltung mit Zigeunermusik anbieten und sich ein fest engagiertes Orchester halten.
Das bedeutet eine ernstliche Bedrohung dieser einzigartigen Musikkultur.